Die Infrastruktur entscheidet über die Wahl des Verkehrsmittels

Die Ausstellung «BIKE l DESIGN l CITY» im Gewerbemuseum in Winterthur verdeutlicht, dass Investitionen in die städtische Velo-Infrastruktur den Anteil der Velofahrerinnen und Velofahrer massiv erhöhen. Das gilt auch für die Schweiz.


Von Matthias Müller

©Dissing+Weitling Architecture

Der Traum einer Velostadt ist in Kopenhagen Realität. Viele andere Städte wie Paris, New York, London oder Tokio folgen den Beispielen aus Dänemark oder Holland und investieren in den Veloverkehr. Denn der schont die Umwelt, ist günstig und äusserst praktisch. «Praktisch» ist in der Wahl des Velos als Verkehrsmittel ausschlaggebend. Das zeigt eine der eindrücklichen Statistiken in der Ausstellung «BIKE l DESIGN l CITY» des Gewerbemuseums Winterthur. Sie geht der Frage nach, was es braucht, damit möglichst viele Menschen das Velo als Verkehrsmittel nutzen.

Wie breit muss die Fahrbahn sein?

Die Ausstellung präsentiert auch den fahrbaren Untersatz in all seinen Variationen und Stilrichtungen. Besonders eindrücklich sind aber die Gedanken zur Fahrbahn selber. Durch die ganze Ausstellung zieht sich denn auch eine etwa eine Meter breite Bahn, die fürs Velofahren besonders geeignet ist. Auf diesem von Schweizer Designern entwickelten Belag bleibt man auch bei Wind und Wetter im Sattel.

© CopenhagenizeDesignCo

Dank Investitionen in die Infrastruktur ist es Kopenhagen gelungen, die Zahl der Velofahrerinnen und Velofahrer stark zu erhöhen. Auf 650‘000 Menschen kommen 600‘000 Velos – und nur gerade 125‘000 Autos. Gleichzeitig konnte die Zahl der Schwerverletzten und Todesopfer in Folge von Unfällen entscheidend gesenkt werden. Damit sparen die Kopenhagener sogar Geld. Durch die erhöhte Sicherheit fallen jährlich gut 70 Millionen Franken weniger Kosten im Gesundheitswesen an. Dieser Betrag übertrifft die Investitionen von rund 15 bis 20 Millionen Franken um ein Vielfaches. Die Veloförderung ist deutlich sichtbar: An jeder Kreuzung in Form grosszügiger Warteräume für Velofahrer oder in Form breiter Velospuren, die oft getrennt von den Autofahrbahnen verlaufen. Weil Velofahren in Kopenhagen nicht mehr gefährlich ist, weil man dank grüner Welle rasch vorankommt, schlägt das Velo das Auto in Kopenhagen um Längen. So ist das Fahrrad zum selbstverständlichen Transportmittel avanciert.

Veloschnellstrecken in der Schweiz

«Für so wenig Geld wären Velostädte also auch bei uns in der Schweiz zu haben?» fragt sich der Besucher. Auch bei uns hängt die Nutzung des Velos in erster Linie von den Investitionen in die Infrastruktur ab. Erste Ansätze gibt es, die Ausstellung zeigt Beispiele. Etwa Veloschnellstrecken, die aktuell in in Bern, Basel oder Winterthur angedacht sind. Wer mehr Platz für Velos will, muss den motorisierten Individualverkehr in die Schranken weisen. Das geht nicht ohne Konflikte. Wohl auch deshalb existieren in der Schweiz rund um die Städte vergleichsweise gute Velowege. Wer allerdings in der Innenstadt mit dem Velo unterwegs ist, muss sich mit sehr wenig Platz begnügen und fühlt sich dementsprechend unsicher. Deshalb ist Velofahren in der Schweiz stark auf die Freizeit ausgerichtet. Dass es auch anders geht, zeigen Basel und Winterthur, wo der Anteil der Velos am Gesamtverkehr bereits heute 16 respektive 13 Prozent ausmacht.

 


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Die Ausstellung in der Altstadt von Winterthur ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet, Donnerstag bleibt das Museum bis 20 Uhr geöffnet, montags ist Ruhetag.

Das Gewerbemuseum ist ab Bahnhof Winterthur zu Fuss in knapp 10 Minuten erreichbar. Vom Bahnhof her geht es in Richtung Untertor, der Marktgasse entlang bis zum Brunnen, rechts in die Untere Kirchgasse, dann auf den Kirchplatz, wo sich das Museum an der Hausnummer 14 befindet.

Die Ausstellung läuft bis am 30. Juli 2017.

Mehr Infos finden Sie hier.

 

 

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