Pro Contra: Müssen Motorräder lärmen?

Peter Ettler, Präsident Lärmliga Schweiz und Hagen Zimmermann, Mediensprecher IG Motorrad sind unterschiedlicher Meinung!


PRO: Hagen Zimmermann, Mediensprecher IG Motorrad

« Vielen Motorradfahrern macht es
Freude, wenn ihr Töff sonor tönt.»

 

Um motorbetriebenen Fahrzeugen eine wohlklingende Geräuschkulisse zu bescheren, beschäftigt die Fahrzeugindustrie ganze Abteilungen. Diese Teams, auch gerne Klangdesigner genannt, ertüfteln für jedes Modell ein Soundprofil von kernig bis zart, von sportlich bis dezent zu flüsterleise. Vielen Motorradfahrern macht es Freude, wenn ihr Töff sonor tönt. Mit Rücksicht auf Umwelt und Mitmenschen, legt der Gesetzgeber zunehmend strengere Geräusch-Grenzwerte fest, die von den Herstellern einzuhalten sind. Vom Strassenverkehrsamt zugelassen sind nur Fahrzeuge, die diese Bestimmungen erfüllen.

Vereinzelt wird aber runder Klang mit purer Lautstärke verwechselt und die eine oder andere Abgasanlage manipuliert oder ein unzulässiger Schalldämpfer montiert. Derartige Umbauten erzeugen oftmals erhöhte Schallemissionen und sind im öffentlichen Strassenverkehr aus Sicht der IG Motorrad Schweiz nicht tolerierbar. Denn Lärm beeinträchtigt alle Menschen, also auch unsere Mitglieder, die Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer.

Allerdings werden Geräusche auch unterschiedlich intensiv empfunden. Anwohner beliebter Fahrstrecken und touristischer Ziele, die freilich auch bei Bikern beliebt sind, mögen auf Betriebsgeräusche von Kraftfahrzeugen empfindlicher reagieren als jene Menschen, deren Wohnumfeld weniger frequentiert ist. Hier sollten Töffler und Anwohner ein Stück aufeinander zugehen. Wenn die Zweiradfreunde ihre Gashand etwas zügeln und die Ortsbewohner sie weniger als Störenfriede, sondern mehr als Gäste ihrer schönen Heimat betrachten, könnte noch viel erreicht werden.


CONTRA: Peter Ettler, Präsident Lärmliga

« Wir fordern Lärm-Messafallen »

 

Immer wieder erstaunlich, welche Freiheiten sich gewisse Fans von Sportwagen oder Motorrädern herausnehmen. Sie öffnen Klappen im Auspuff manuell, wenn sie dazu Lust haben. Das bringt bis zu 24-Mal mehr Lärm als erlaubt. Für den grossen Rest der Bevölkerung ist das einfach nur ärgerlich. Das kann es ja wohl nicht sein!

Das Strassenverkehrsgesetz verbietet es, mehr Lärm zu machen als nötig. Doch die Polizei kann oft nichts gegen die Lärmegoisten tun. Wie kann sie einem Fahrzeug nachweisen, dass es zu laut fährt? Mit Lärm-Messfallen, analog zu den Rotlichtfallen!

Die Verkehrslobby macht Vorstösse im Parlament, die Massnahmen gegen Lärmegoisten verlangen, lächerlich. Sie behauptet wider besseres Hinhören, die Töfffahrer führen in Siedlungsnähe leise, heutige Fahrzeuge flüsterten je länger je mehr usw.

Seit diesem Jahr sind die sogenannten «Sportklappen» verboten. Aber nur an frisch typengenehmigten Fahrzeugen. Daher werden weiter fröhlich neue Dröhn-Fahrzeuge verkauft und terrorisieren zusammen mit den alten die Anwohnenden. Die Lärmliga Schweiz fordert, dass alle Fahrzeuge – auch im «Sportmodus» – sofort die Grenzwerte für Lärm einhalten. Motorenfans mit Entzugserscheinungen können den Sound im Helm-Kopfhörer oder im Fahrgastraum bei geschlossenen Fenstern geniessen. Elektronisches Lautsprecher-Tuning und Bluetooth machen es möglich.

Verkehrslärm macht krank und Liegenschaften verlieren seinetwegen an Wert. Kostenpunkt jedes Jahr etwa 1.5 Milliarden Franken. Gesamtkosten für Lärmsanierungen an Schweizer Strassen: rund 4 Milliarden Franken. Die billigste Sanierung, nämlich leise Fahrzeuge und Pneus, lehnt die Verkehrslobby ab. Daher bleiben über 1,6 Millionen Personen von übermässigem Strassenlärm betroffen. Tendenz? Raten Sie! Richtig, zunehmend.


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