Es stinkt zum Himmel

Über den Wolken ist nicht nur die Freiheit grenzenlos, wie der deutsche Liedermacher Reinhard Mey singt – sondern auch der Schadstoffausstoss.

Von Patricia Götti

Schweizerinnen und Schweizer fliegen durchschnittlich stolze 9000 Kilometer pro Jahr. Verglichen mit ihren Nachbarinnen und Nachbarn sind sie damit doppelt so viel mit  dem  Flugzeug  unterwegs.  Der  Flugverkehr  nimmt  seit  Jahren  rasant  zu,  und  die  Zukunftsprognosen bestätigen diesen Trend – der sich verheerend auswirken wird auf unsere Luft durch massiv höhere CO2-Emissionen. Der Flugverkehr trägt schon jetzt weltweit mit rund  fünf  Prozent  zum  Treibhauseffekt  bei  –  und  in  der  Schweiz  sind  es  sogar  16  Prozent.  Eine Kompensation der Emissionen wird erst zögerlich  angedacht,  und  steuerlich  kommen  die Fluggesellschaften fein raus.

Nun  könnte  man  denken,  dass  ja  genau  um diesen Trend aufzuhalten 2015 das Pariser Klimaschutz-Abkommen  verabschiedet  worden sei. Dieses hat zum Ziel, die weltweite Erwärmung  auf  1,5  Grad  Celsius  zu  begrenzen respektive  auf  deutlich  unter  2  Grad  Celsius  gegenüber vorindustriellen Temperaturen.

Keine  Kompensation…

Doch  weit  gefehlt:  Ausgerechnet  der  Flugverkehr  ist  vom  Abkommen  ausgenommen.  Das  heisst,  die  Emissionen,  die  Flüge  verursachen,  müssen  nicht  kompensiert  werden,  geschweige  denn  reduziert.  Zwar  hat  die Internationale Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) an ihrer letzten Zusammenkunft im Herbst 2016 Zeichen gegeben, sich an einer CO2-Kompensation beteiligen zu wollen.

Als  Ziel  ist  aber  lediglich  eine  –  vage  formulierte  –  Kompensation  ab  2020  vorgesehen. Überdies ist die Zusammenarbeit für die Fluggesellschaften  auch  noch  fakultativ.  Und  schliesslich  sind  inländische  Flüge  von  dem  Übereinkommen ausgeschlossen. Daher kann man nur diesen Schluss ziehen: Nur nationale Zusatzmassnahmen können das rasante Nachfragewachstum in der Flugfahrt eindämmen.

…und keine Kerosinsteuern

Und hier stossen wir gleich auf das nächste Problem: Der Flugverkehr wird heute in keinerlei  Weise  mit  Steuern  belegt.  Grund  dafür  ist  ein  uraltes  Abkommen:  Die  Chicago-Konvention  von  1944  legt  fest,  dass  auf  Kerosinverbrauch  im  Rahmen  des  internationalen  Flugverkehrs  keine  Besteuerung  erfolgen  darf.  Deshalb  gibt  es  nirgendwo  auf  der  Welt  Kerosinsteuern  auf  internationalen   Flügen.   Man   stelle   sich   vor:  Würde  man  Kerosin  in  vergleichbarem  Ausmass  wie  den  Treibstoff  für  Autos  besteuern,  wäre  ein  Flug  von  Zürich  nach  New  York  für  die  Fluggesellschaft  dreimal so teuer wie heute – nämlich 116 000 Franken anstatt 37 000!

Laut  einer  Studie  entgehen  den  europäischen  Staaten  wegen  dieser  fehlenden  Besteuerung insgesamt 40 Milliarden Euro im  Jahr.  In  der  Schweiz  sind  es  1,3  Milliarden  Franken. Die  Freiheit  stinkt  zum  Himmel – und zwar über den Wolken wie unterhalb.

 

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