Lausanne: Eine Stadt im Wandel

Seit dem Ende der 1990er Jahren hat sich die waadtländische Hauptstadt stetig weiterentwickelt und nahezu 20.000 neue Bewohner aufgenommen. Auf Veranlassung des VCS Waadt wird das Strassennetz überdacht und Strassen werden nach und nach neu gestaltet.

Von Camille Marion

Ob zu Fuss, mit dem Fahrrad, dem Auto, dem Zug, dem Bus, mit der Metro oder mit dem Schiff – Lausanne hat in Sachen Mobilität breitgefächerte Lösungen zu bieten. Das war allerdings nicht immer so. Mitte des 20. Jahrhunderts waren Lausannes Strassen den Autos, dem vorherrschenden Transportmittel, vorbehalten. 1964 entschied man in der Stadt aufgrund der Weltausstellung sogar, die Tramlinie zugunsten der Autos zu abzubauen. Man kann sich vorstellen, welche Folgen dies für die anderen Strassennutzer hatte. Die sanfte Mobilität war besonders betroffen und rutschte auf den letzten Platz. Fahrradfahrer wurden in der Stadt mit den Höhenunterschieden überhaupt nicht beachtet und Fussgänger mussten sich in düsteren, widerlichen unterirdischen Gängen fortbewegen.

Auf Veranlassung der waadtländischen Sektion des VCS verändert sich Lausannes Strassenbild nun. Anfang dieses Jahrhunderts gab es Initiativen zur Wiederbelebung des Stadtzentrums der waadtländischen Hauptstadt mit der Einrichtung mehrerer Fussgängerzonen. Der VCS Waadt macht sich sehr für Fahrradfahrer und Fussgänger stark. Man verlangt, dass Fahrräder Einbahnstrassen, Fussgängerzonen und für Trolleybusse vorgesehene Strassen nutzen dürfen. Aber der Kampf ist hart, denn bei der Stadt ist man zu einer Veränderung in dieser Grössenordnung nicht bereit. Doch die Mobilisierung geht voran und nach und nach finden die Vorschläge Beachtung. In den letzten Jahren scheint das Fahrrad in den Strassen Lausannes seinen Platz gefunden zu haben. Es wurden über 50 Kilometer Fahrradwege gebaut, was zu einem starken Anstieg der Fahrradfahrer in der Stadt führte. An verschiedenen Orten der Stadt entstanden zusätzliche Zweiradparkplätze sowie eine Velostation am Bahnhof, die von Menschen genutzt wird, die hauptsächlich von ausserhalb der Stadt kommen.

Neue Tramlinie im Gespräch
Der VCS Waadt fordert auch dazu auf, den Platz des Autos in der Stadt zu überdenken. Man kämpft für den Vorschlag, jeder Wohnung mindestens zwei Parkplätze zuzuweisen und fordert 30er Zonen sowie eine Verkehrsberuhigung in Wohnvierteln. Das Engagement macht sich bezahlt: Nach und nach erfolgt ein Paradigmenwechsel und die Mobilität insgesamt verändert sich. Der politische Vorstoss geht in Richtung Einschränkung des Autoverkehrs innerhalb der Stadt sowie eine optimale Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel. Nach der Inbetriebnahme der beiden Metrolinien, darunter die innovative M2, das Rückgrat der öffentlichen Verkehrsmittel Lausannes, ist eine Tramlinie zwischen Flon und Renens im Gespräch. Der VCS Sektion Waadt beobachtet die Entwicklung der Gespräche sehr aufmerksam und schaltet sich notfalls auch ein, falls dies erforderlich erscheint. Die Zukunft Lausannes in Sachen Mobilität lässt eine Verringerung des Verkehrs im Stadtzentrum erhoffen, was sicherlich positive Auswirkungen für die Fussgänger und die Radfahrer hätte. Der VCS engagiert sich aktiv durch die Unterstützung der Veränderungen, die Lausanne zu einer einladenden, sicheren und modernen Stadt machen.


40 Tempo-30-Zonen
Tempo-30-Zonen gibt es seit 1993 in Lausanne. Heute sind es deren 40. Die erste Begegnungszone datiert von 2007, aktuell gibt es sechs.