«Güterverkehr auf der Schiene lohnt sich auch für kurze Strecken»

Unternehmer und Politiker Josias F. Gasser zu Güterverkehr, seiner Fahrzeugflotte und erneuerbarer Energie.

Josias F. Gasser (65) ist Mitinhaber und Geschäftsleiter des Familienunternehmens Josias Gasser Baumaterialien. Der Betriebswirtschafter lebt in Chur. Er ist ebenfalls VR-Präsident der Familienholding Gebr. Gasser Holding AG. Gasser ist Gründungsmitglied der Grünliberalen Partei Graubünden, war Gemeinderat der Stadt Chur (2009–2011), sass im Grossen Rat des Kantons Graubünden (2010–2012) und war von 2011–2015 Nationalrat.

Lieferwagen-Umweltliste: Herr Gasser, wenn Sie auf die letzten zehn Jahre zurückschauen: Was freut Sie?
Josias F. Gasser: Persönlich freut mich, dass ich gesund und voller erneuerbarer Energie bin, gesellschaftlich, dass das Volk die Energiestrategie 2050 angenommen hat und damit ein klares Signal gesetzt hat. Mir zeigt es, dass man nun erkannt hat, wie wichtig es ist, in Sachen Klimawandel und Ressourceneffizienz zu handeln. Es braucht einen sorgfältigen Umgang mit der Natur und eine bewusste Mobilität. Denn diese ist zu mehr als einem Drittel für den CO2-Ausstoss verantwortlich.

Wie behalten Sie Ihre Zeit als Nationalrat in Erinnerung?
Als spannende, lehrreiche Zeit. Es war eine schöne Erfahrung, nahe dran zu sein und auf oberster Ebene mitzubestimmen. Denn was wir verabschiedet haben, das gilt – es braucht ein Bewusstsein für diese grosse Verantwortung. Das Milizsystem der Schweiz gibt zum einen Bodenhaftung, hat aber auch seine Grenzen, gerade für Gewerbler: Die zeitliche Belastung ist hoch und nicht jede Entscheidung passt den Kunden. Es ist eine Gratwanderung zwischen eigenständiger Meinung und Rücksichtnahme auf Befindlichkeiten der Kunden. Und nicht zuletzt wollen die Wählerinnen und Wähler richtigerweise wissen, was man «in Bern» so macht. Das braucht Zeit.

In der Politik setzen Sie sich für Umweltschutz ein, als Unternehmer betreiben Sie einen Fuhrpark, der auch schwere Fahrzeuge beinhaltet. Planen Sie, auf Elektrolastwagen umzusatteln?
Aktuell haben wir keine Elektrolastwagen. Wir beobachten die Entwicklungen aber genau und haben bei den Herstellern auch unser Interesse deponiert, an Versuchen teilzunehmen. Interessant wäre Elektroantrieb für uns durchaus: In Davos und im Engadin haben wir hochgelegene Lager. Um Kunden «just in time» zu bedienen, verteilen wir auch Materialien ab diesen Lagern Richtung Tal. So kann Energie zurückgewonnen werden.

Haben Sie in Ihrer Firma Gas- oder Elektroautos?
Ich fahre einen Tesla. Aber für unsere Flotte und auch für die Mitarbeitenden im Aussendienst haben wir noch kein geeignetes Fahrzeug gefunden. Für die vielen Fahrten im Gebirge ist die Reichweite noch nicht genügend. Das braucht noch etwas Zeit – vielleicht ist der neue kleine Tesla dann aberpassend. Sie transportieren viele Güter auf der Bahn.

Wie sind Ihre Erfahrungen damit?
Da freut mich die Entwicklung grundsätzlich, gerade, was Flexibilität und Tarife betrifft. Güterverkehr bedingt Lagerkapazitäten und Anschlussgleise. In Davos etwa fehlt das leider. Auch unsere Lieferanten würden ihre Güter eigentlich gern mit der Bahn transportieren, das ist aber schwieriger. Die Materialien lassen sich teilweise nicht einfach auf Standardwaggons laden. Der Rhätischen Bahn als Schmalspurbahn muss ich aber ein Kränzchen winden. Besonders der kombinierte Verkehr Schiene-Strasse funktioniert ausgezeichnet.

Welche Vision haben Sie für den Güterverkehr?
Im Kombiverkehr ist das Spektrum zu erweitern und das Netz auszubauen: Es braucht bessere Umlademöglichkeiten und erreichbare Terminals. Das Güterverkehrsgesetz sendet positive Signale und geht jetzt in die Umsetzung. Die RhB hat den Güterverkehr forciert und hat mittlerweile eine gute Infrastruktur. Sie widerlegt auch das Vorurteil, dass sich Bahntransport nur für lange Strecken eignet.

«Ziel ist immer, dass ein Gebäude mehr
Energie produziert, als es braucht»


Wie gross ist der Einfluss der Gewerbler auf den Güterverkehr?

Güterverkehr hat auch einen regionalpolitischen Aspekt, der nicht zu unterschätzen ist. Lager, Filialen und Arbeitsplätze kann man eng mit der Bahn vernetzen. Die Entwicklung im Baugewerbe geht stark Richtung Sanierungen und Erneuerungen. Da braucht es Lager vor Ort, die Versorgung mit der Bahn ist durchaus möglich. Das Gewerbe kann also Einfluss nehmen. In der Bündner Topographie haben aber Lastwagen viele Vorteile. Für den Tourismus ist es hingegen vorteilhaft, wenn Lastwagen nicht die Zufahrten in die Ferienorte blockieren.

Wie setzen Sie die Nachhaltigkeitsziele Ihres Unternehmens im Alltag um?
Zur Hauptsache ist es die Gebäudeinfrastruktur. Da haben wir schon seit vielen Jahren mehrere Zeichen gesetzt. Aber auch im täglichen Umgang setzen wir auf Ressourceneffizienz. Dazu gehört selbstverständlich auch Recycling, wie z. B. Bauplastik und die Möglichkeit, in unserem Hauptsitz in Haldenstein auf jedem Stock PET zu entsorgen usw. Bei unserer Fahrzeugflotte stützen wir uns auf die Auto-Umweltliste. Wo möglich versuchen wir, unsere Bauherren zu überzeugen, energieeffizient zu bauen. Unter dem Minergie-Standard P machen wir nichts und Ziel ist immer, dass ein Gebäude mehr Energie produziert, als es braucht. Klar ist, dass wir ohne fossile Brennstoffe auskommen wollen.

Sie gehen da mit Ihrem Windrad voran. Wie kam es dazu?
Als Kind habe ich meine Ferien in Haldenstein verbracht und da hat mir der Wind immer einen Strich durch die Rechnung gemacht, wenn ich Federball spielen wollte. Als ich 1999 unseren Hauptsitz in Haldenstein gebaut habe, haben wir auf dem Kran Windmessungen durchgeführt. Diese haben gezeigt, dass sich mit dieser Windstärke durchaus Energie produzieren liesse. Das Projekt verschwand lange in der Schublade, erst 2007 habe ich es mit Jürg Michel weiterentwickelt und umgesetzt.

Was ist Ihr Fazit?
Klar ist, dass ein Windrad ein Eingriff in die Landschaft ist, gerade in einem bereits durch Industriebauten belasteten Gebiet. Neben unserem Windrad steht zum Beispiel ein Kies- und Betonwerk. Wir nehmen Rücksicht, deshalb stellen wir zum Schutz der Fledermäuse das Rad zwischen März und Oktober nachts ab. Dann sind die Flugbedingungen für Fledermäuse gut. Zudem haben wir ein Gerät installiert, das Vögel warnt und abschreckt. Grundsätzlich würden wir gerne weitere Windräder bauen, die Standortsuche ist anspruchsvoll. Denn mit einem einzigen Windrad versorgen wir die ganze Gemeinde Haldenstein mit Strom. Dazu gehören die Haushalte von 1000 Menschen und das Gewerbe, das energieintensive Betriebe hat, etwa eine Grossbäckerei, zwei Schreinereien und eine Metallverarbeitung.


Das Gespräch führte Dominique Eva Rast.

Ein Gedanke zu „«Güterverkehr auf der Schiene lohnt sich auch für kurze Strecken»

  1. Wenn ich einen Kommentar schreiben oder mich an einer Abstimmung beteiligen will, bleiben mir fast nur TWITTER, FACEBOOK, SNAPCHAT oder weitere neuere Portale, die zum Teil schon nicht mehr gefrat sind. Als Senior mache ich nicht mehr bei allen Änderungen mit, die momentan aktuell sind.
    Kann sich der VCS nicht auf die weiterhin noch im Gebrauch stehenden Kommunikationskanäle festlegen? Zumindest sollten wir Senioren uns am Meinungsbildungsprozess beteiligen können. Und da stehen uns die technischen „Fortschritte“ oft im Weg.

Kommentare sind geschlossen.